Was Sie über Pilze und Nutzpilze unbedingt wissen sollten

Liebe Leserin, lieber Leser,

das sollten Sie unbedingt über Pilze und Nutzpilze wissen. Wenn das Wort „Pilz” erklingt, dann schaudert es manchen unter Ihnen. Einige von Ihnen werden dabei sogar etwas Unheimliches, womöglich Mystisches, jedenfalls wenig Vertrauen erweckendes empfinden. Wir sind uns ziemlich sicher, dass nur eine Minderheit unter Ihnen Pilze mit einer positiven Assoziation, mit etwas Gutem, etwas Nützlichem, geschweige denn Gesundheitsförderndem, Heilendem verbindet. Die Kenntnisse über Pilze beschränken sich bei vielen der Menschen in Deutschland und in anderen Regionen der westlichen Hemisphäre, auf nur wenige negative Fakten. Am besten lässt es sich mit den Kalauern belegen, die über Pilze gerne erzählt werden:

• Sie sind Schädlinge im Garten
• Die meisten Menschen haben Fußpilz
• Fliegenpilz und Grüner Knollenblätterpilz sind giftig
• Man kann jeden Pilz essen, manche jedoch nur einmal
• Im Lokal sollten Pilzgerichte im Voraus bezahlt werden
• Hüte dich davor Pilzgerichte aufzuwärmen, sie könnten giftig werden

Was Sie über Pilze unbedingt wissen sollten:

Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist es Fakt: Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere. Sie sind einfach Pilze. Sie bilden von der Bäckerhefe bis zum Champignon und Pfifferling, von Rostpilzen und Mehltau bis zur Trüffel, von den Schleimpilzen bis zum Riesenhallimasch (gefunden in Kalifornien, USA), nach den Insekten das zweitgrößte Reich von Lebewesen auf Erden. Die Zahl der weltweit vermuteten Pilzarten wird auf 1,5 Mio. geschätzt. Tatsächlich bekannt sind erst etwa 120.000 Arten.

Der Brasil Egerling gehört der Gattung der Champignons anEs wäre unmöglich, sich mit dem gesamten bekannten Pilzreich zu beschäftigen. Vielmehr ist Spezialisierung angesagt. Üblich ist es unter Pilzexperten, nach bestimmten Kriterien (systematische Zugehörigkeit, Lebensweise u. a.) eine Gruppe herauszugreifen, um sich damit zu beschäftigen. Unsere Spezialität ist die Beschäftigung mit den so genannten Großpilzen und unter ihnen ganz besonders mit den Nutzpilzen. Großpilze stellen innerhalb des Pilzreiches eine ansehnliche Gruppe dar, die schätzungsweise 10.000 bis 12.000 Arten umfasst

Was ist ein Großpilz?

Großpilze besitzen einen klar differenzierten Fruchtkörper, der groß genug ist, um ihn mit bloßen Augen zu sehen und mit der Hand zu pflücken. Sie bilden ihren Fruchtkörper oberirdisch oder unterirdisch (z.B. Trüffel) aus, wobei der Fruchtkörper fleischig oder dünn, essbar, ungenießbar, sogar auch giftig sein kann.

Nicht jeder Großpilz ist für uns von Interesse sondern hauptsächlich solche, die für die Menschen nützlich sind oder nutzbar gemacht werden könnten. Es sind die Nutzpilze unter den Großpilzen.

 

Definition Nutzpilze

Solche Großpilze, die ganz oder in Teilen (Myzel, Fruchtkörper oder beide) einem wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen zugeführt werden können, gelten als Nutzpilze. Nutzpilze sind alle kultivierten Großpilze und einige Wildpilze von wirtschaftlicher Bedeutung (z.B. Pfifferlinge).
Nutzen von Großpilzen
Der Shiitake ist ein beliebter Speisepilz

Die Umwandlung land- und forstwirtschaftlicher Reststoffe (Biokonversion) zwecks Nahrungs- und Futtermittelerzeugung

Dafür werden Kulturspeisepilze wie Champignons, Austernpilze, Shiitake, Kräuterseitling u.a. verwendet. Sie könnten einen bedeutenden Beitrag auch zur Linderung der Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot in vielen Entwicklungsländern leisten. Jedoch werden sie bisher aus Unkenntnis und Beratungsresistenz der Verantwortlichen in der Entwicklungspolitik bedauerlicherweise kaum genutzt.

Bei Waldschutzmaßnahmen und Einzelbaumbehandlung

Dafür können so genannte Ektomykorrhizapilze verwendet werden. Es sind Großpilze, die vornehmlich mit Bäumen eine enge Lebensgemeinschaft eingehen, aus der beide Parteien Vorteile ziehen. Zu den Ektomykorrhizapilzen zählen solche bekannten Arten wie der Steinpilz, der Pfifferling und die Trüffel. Weniger bekannt, doch umso effektiver sind der Kahler Krempling und der Erbsenstreuling. Sie alle üben eine überaus positive Wirkung auf die Entwicklung des Waldes und auf die von Einzelbäumen aus. Deshalb werden Ektomykorrhizapilze gezielt in der Forstwirtschaft und im Landschaftsbau eingesetzt. So zum Beispiel bei der Revitalisierung alter liebeswerter Bäume und bei Aufforstungsmaßnahmen.

Für die Krankheitsvorbeugung und Therapie

Dafür kommen kultivierte Pilze in Frage. Die bisher kaum beachteten Nährstoffeigenschaften der Kulturspeisepilze (sie enthalten wenig Kalorien, Purine und Natrium und viel Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien) machen sie zum wertvollen Bestandteil einer gesunden, Ernährung. Andere Großpilze wie z.B. der Glänzende Lackporling, der Shiitake, der Maitake, das Judasohr und andere wurden – ähnlich wie Heilpflanzen – in der Volksheilkunde eingesetzt. Wissenschaftliche Forschungen bestätigten inzwischen viele Effekte dieser Pilze, die in der Vergangenheit nur auf Grund empirischer Beobachtungen verbreitet wurden. Fest steht, dass Großpilze ein umfangreiches Reservoir an bisher nicht oder nur ungenügend erforschten Substanzen enthalten, die auch in der Human- und Veterinärmedizin eingesetzt werden könnten und eingesetzt werden sollten.

In der Umwelttechnik

Einige Großpilze verfügen über die Fähigkeit äußerst komplizierte Kohlenwasserstoff Moleküle zu zerlegen und vollständig abzubauen. Man kann diese Fähigkeit dafür nutzen, um organische Schadstoffe im Boden, Wasser oder in der Luft zu eliminieren. Für derartige umwelttechnische Maßnahmen ist unter anderem der wohlbekannte Speisepilz, der Austernpilz, geeignet. Allerdings steckt der Einsatz von Großpilzen bei umwelttechnischen Maßnahmen heute noch in den Kinderschuhen. Dass es möglich ist, konnte bewiesen werden. Aber weitere zielgerichtete Forschung ist erforderlich mit dem Ziel, die Erzeugung der Pilzbiomasse zu optimieren und die Techniken zu verbessern, um die Pilzbiomasse und das Material, das dekontaminiert werden soll, miteinander intensiv zu vermischen.

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Autor: Prof. Dr. Dr. h.c. Jan I. Lelley – Internet: www.lelley.de

Referenz bei Wikipedia – Mykotherapie

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