Pilze, Aufbau und Funktion, schon gewusst?

Wenn man in Laienkreisen über Pilze spricht, meint man im Allgemeinen den Fruchtkörper, der bei der Klassischen Form aus Hut und Stiel besteht. Der Fruchtkörper kann aber, je nach Pilzart, ganz unterschiedliche Formen haben. Auch die Größe betreffend gibt es große Unterschiede. Die Fruchtkörper des Judasohr  ( Auricularia auricula-judae ) beispielsweise, die wie kleine umgedrehte Schüsseln aussehen, wiegen nur wenige Gramm. Der Fruchtkörper eines Riesenbovists (Langermannia  gigantea) dagegen, der wie ein großer, weißer Lederball aussieht, kann bis zu 5-6 kg schwer  werden. Jedenfalls ist es der Fruchtkörper der Pilze, der im Wald oder auf der Wiese und Weide herumsteht.

Die Großpilze bestehen aus drei wichtigen Teilen, von denen der Fruchtkörper nur einer ist. Die anderen beiden Teile sind das Pilzgeflecht und die einzelnen Pilzfäden. Geflecht und Fäden sind allerdings in der Natur seltener zu beobachten, da sie in der Nährgrundlage des Pilzes im Holz, in der Erde, im Kompost und wo sie sonst noch wachsen, verborgen sind.

Der oberirdische Teil der Pilze besteht außer dem Hut auch noch aus dem Stiel, und beide zusammen werden dann Fruchtkörper genannt(siehe Abb.1).

Aufbau und Funktion - Pilz Stiel und HutUm nicht den Zorn von Pilzexperten über eine derartige Vereinfachung der Materie heraufzubeschwören, sei hier noch erwähnt, dass es auch Pilze gibt, die keinen Hut, andere wieder, die keinen Stiel oder weder Hut noch Stiel besitzen. Manche fristen sogar ihr ganzes Dasein unterirdisch. Zu dieser Gruppe gehört auch die Königin der Pilze, der Traum aller Gourmets, die Trüffel.

Welche Funktion hat der Fruchtkörper?

An der Unterseite des Hutes befinden sich dünne Lamellen oder Röhren (ähnlich den Bienenwaben), die Träger der Sporen, der Fortpflanzungsorgane der Pilze sind. Die Sporen, die man  ihre Funktion betreffend mit den Samen der Pflanzen vergleichen kann, sind so klein, dass sie nur unter dem Mikroskop, bei 200-400-facher Vergrößerung, gesehen werden können. Entsprechend ihrer Größe sind sie auch sehr leicht und können von der geringsten Luftbewegung weit davongetragen werden.

Die Sporen lösen sich nach der Reife von den Lamellen oder Röhren und gelangen unter Umständen auf einen zusagenden Nährboden, wo sie; falls es warm und feucht ist, auskeimen und schließlich eine neue Pilzkolonie bilden. Um die Fortpflanzung der Pilze auch unter widrigen Bedingungen sicherzustellen, werden Sporen in unvorstellbar großen Mengen produziert. In einem Fruchtkörper des Wiesenchampignons( Agaricus campester ) von ca. 8 cm Durchmesser beispielsweise entstehen durchschnittlich mehr als 40 Millionen Sporen. Wäre unsere klassische Getreidepflanze, der Weizen, so fruchtbar, würde sich der Kornertrag in einer einzigen Ähre auf fast 150 kg belaufen. Es müssten Ähren wachsen von etwa 3,5 km Länge!

Im Fruchtkörper eines Riesenbovists, dieses weißen, runden Pilzes, werden 5-6 Billionen Sporen gebildet. Reihte man sie aneinander, würden sie trotz ihrer Größe von nur einigen tausendstel Millimeter, eine Strecke von über 30.000 km bilden.

Die Funktionen eines PilzesAuch die Rolle des Stiels ist hauptsächlich im Zusammenhang mit der Fortpflanzung der Pilze zu sehen. Der Stiel hält den Hut und ermöglicht dadurch, dass der Wind unter den Hut weht und die herabfallenden Sporen davontragen kann. Daher rührt auch, dass die Pilzfruchtkörper zuerst in die Höhe schießen und die Hüte sich erst anschließend öffnen, um die Sporen freizugeben. Junge Fruchtkörper sind niedrig, ihr Hut verschlossen, glockenförmig, später jedoch ausgebreitet, wodurch der ungehinderte Fall der Sporen sichergestellt wird.

Unterhalb des Pilzfruchtkörpers, in der oberen Schicht der Nährgrundlage, befindet sich das Geflecht, das in Fachkreisen Mycel  genannt wird. Das Mycel ist eine mehr oder weniger üppige Vernetzung dünner Fäden, die mit etwas Phantasie mit dichten Spinnweben verglichen werden könnte. Es gibt verschiedene Mycel Arten, welche sich sowohl im Aufbau als auch in der Funktion unterscheiden. Die Hauptaufgabe des Mycels ist jedoch die Speicherung der Nährstoffe, die später für die Entwicklung des Fruchtkörpers benötigt werden. Das Mycel ist zugleich das Organ, aus dem die Fruchtkörper hervorgehen. Das Mycel ist der eigentliche Pilzkörper. Man kann das Mycel in der oberen Schicht der Nährgrundlage gelegentlich mit bloßem Auge sehen. Es präsentiert sich wie Schimmelbelag. Aus dem Mycel wachsen einzelne Pilzfäden in den Nährboden und durchwuchern ihn. Diese Fäden nennt man in der Fachsprache Hyphe. Die Hyphen sind so dünn, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. Ihre Aufgabe ist die Wasser- und Nährstoffaufnahme und der Nährstofftransport zum Mycel. Sie werden deshalb ihrer Funktion betreffend oft mit den Feinwurzeln der Pflanzen verglichen. Überhaupt können die Hutpilze mit etwas Phantasie mit Bäumen verglichen werden. Dabei entspricht der Fruchtkörper den Blüten und  Früchten, das Mycel dem Stamm und die Hyphen dem Wurzelwerk des Baumes.

 

 

 

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