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Wir kultivieren Reishi und Shiitake im eigenen Garten Teil 2

Nach den allgemeinen Erörterungen über die beiden Pilze und über die Holzunterlage, die für deren Kultivierung am besten geeignet ist, müssen wir noch eine wichtige Frage besprechen, die der Pilzbrut (Pilzsaat), die wir benötigen, um eine Pilzkultur anlegen zu können.

 

Brut für die Vermehrung der Pilzkultur

Pilze werden vegetativ vermehrt. Diese allgemein verbreitete Methode im Pflanzenanbau ist mit der Vermehrung von Pflanzen auf der Grundlage von Stecklingen vergleichbar. Die „Stecklinge“ im Pilzanbau nennt man Brut, die im Wesentlichen aus einer Reinkultur des Pilzes in Form seines Geflechtes (Myzel) besteht. Sporen sind für die Vermehrung von Pilzkulturen in der Praxis ungeeignet. Sie werden nur im Laboratorium gebraucht, wo sie unter sterilen Bedingungen zum Keimen gebracht werden können. In der Natur keimt nur ein Bruchteil der vielen Millionen Sporen, die in einem einzigen Pilzfruchtkörper gebildet werden. Würde man sie also für die Anlage und Durchführung von Pilzkulturen verwenden, würde man nur in äußerst seltenen Fällen einen Erfolg erzielen.

Die Brut wird in der Regel im Fachhandel zugekauft. Für den Pilzanbau auf Holzunterlage sind zwei verschiedene Brutarten erhältlich:

  • Körnerbrut
  • Stäbchenbrut

Die Körnerbrut besteht aus sterilen Getreidekörnern (Roggen, Weizen, Hirse). Die Getreidekörner sind die Träger des Pilzmyzels, sie sind von ihm ummantelt. Vorteile der Körnerbrut sind die gute streufähig und die problemlose Portionierung. Die Körnerbrut ist besonders geeignet für die Beimpfung von Hölzern in Einschnitten und an den Stirnseiten.

Die Stäbchenbrut besteht aus sterilen Buchenholzstäbchen von 40 x 8 mm, welche mit dem Myzel des entsprechenden Kulturpilzes beimpft werden. Danach werden sie nicht nur von dem Pilzmyzel ummantelt sondern vollständig durchwachsen. Stäbchenbrut eignet sich hervorragend für die Beimpfung von Hölzern, wobei man sie in entsprechend tiefe und breite Löcher schiebt.

Man sollte die Brut rechtzeitig bestellen und bis zur Verwendung im Kühlschrank lagern. Kauft man die Pilzbrut im Fachhandel ein, wo sie möglicherweise längere Zeit gelagert wurde, ist eine Qualitäts-kontrolle nach dem Erhalt besonders ratsam, um sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen.

 

Prüfung der Brutqualität

Man nimmt die Pilzbrut zunächst in Augenschein, um festzustellen, ob sie frei von Schimmelpilzen ist. Schimmelpilze erkennt man leicht an der Farbe. Das Myzel der kultivierten Pilze ist weiß. Von weißem Myzel durchwachsene Brut ist deshalb meistens von guter Qualität. Eine andere Farbe des Pilzmyzels (grün, grau, rötlich), die in der Packung stellenweise oder großflächig sichtbar ist, zeigt das Vorhandensein von Schimmelpilzen an. Eine verschimmelte Brut darf man nicht verwenden.

Wichtig ist noch ein weiteres Merkmal der Pilzbrut, das jedoch äußerlich nicht erkennbar ist: das Alter. Pilzbrut ist selbst unter optimalen Lagerbedingungen (1 bis 3 °C) zeitlich nur begrenzt haltbar. In Ladenlokalen oder Gartencentern können diese Bedingungen oft mangels Kühlkapazität überhaupt nicht erfüllt werden. Man lagert die hochempfindliche Körnerbrut gelegentlich auch aus purer Nachlässigkeit bei Zimmertemperatur im Verkaufs-raum. Je wärmer es dort ist, umso kürzer bleibt die Brut vital.

Körnerbrut ist bei Zimmertemperatur nach 3 bis 4 Wochen meistens unbrauchbar. Stäbchenbrut ist weniger empfindlich. Sie hält sich auch bei Zimmertemperatur 6 bis 8 Wochen. Dennoch wäre zu empfehlen, beim Kauf auch die Stäbchenbrut aus der Kühlung zu verlangen, da es oft keine Kontrolle dafür gibt, wie lange die Päckchen bereits im warmen Regal gelegen haben.

Alte Pilzbrut verliert ihre Wuchsfähigkeit ohne erkennbare Veränderung im Aussehen. Man sollte deshalb bei Verdacht dem Päckchen vorsichtig einige Körner bzw. ein oder zwei Stäbchen entnehmen und sie auf feuchtem Löschpapier, unter einem umgedrehten Einmachglas, bei Zimmertemperatur aufbewahren. Sprießt spätestens nach einer Woche kein Myzel in Form gut erkennbaren weißen Flausches aus den Körnern bzw. Stäbchen heraus, ist die Brut vermutlich bereits abgestorben und sollte deshalb auf keinen Fall verwendet werden.

 

Nunmehr gehen wir in der Folgezeit auf die beiden Pilzarten getrennt ein und beginnen mit dem Reishi:

So gelingt Ihnen die Kultivierung des Reishii

Anlagezeit

Hölzer können das ganze Jahr über mit dem Glänzenden Lackporling beimpft werden. Wird in der kalten Jahreszeit eine Reishi-Kultur angelegt, müssen die Hölzer nach der Beimpfung in einem Raum, bei mindestens 17-18 °C, am besten sogar bei 20-25 °C, gelagert werden. Von Mai bis September kann sie gleich im Freien angelegt werden.

Impflöcher bohren

Bohren Sie mit einem 9 mm-Bohrer, gleichmäßig verteilt um den Stamm, ca. 50 mm tiefe Löcher. Eine Packung Brut enthält 16 Impfstäbchen. Abhängig davon, ob man mit ihnen 1 oder 2 Holzstämme beimpfen möchte, bohrt man 8 oder 16 Impflöcher. Die Entscheidung, ob man 1 oder 2 Holzstämme mit einem Päckchen Stäbchenbrut beimpft, sollte man davon abhängig machen, wie dick die verfügbaren Hölzer sind. Bei einer Stärke der Holzstämme von durchschnittlich 15 bis max. 20 cm, reicht ein Päckchen Stäbchenbrut für zwei Stämme aus. Ist das Holz dicker als 20 cm, sollte der Inhalt eines Brutpäckchens nur für ein Holz verwendet werden.

Stäbchenbrut wässern

Nehmen Sie die Brutstäbchen aus der Packung heraus und legen Sie sie für ca. 1 Minute in sauberes, handwarmes Wasser. Die Stäbchen können vom Pilzmyzel völlig überwuchert und zusammengewachsen sein; einfach mit sauberen Händen voneinander trennen. Ausschlaggebend sind lediglich die Holzstäbchen und nicht das in der Packung gewachsene Myzel!

Beimpfen

Stecken Sie nun in jedes Loch ein Brutstäbchen. Es sollte exakt passen, damit guter Kontakt zum Holz besteht. Nur dann kann das Myzel vom Reishi von den Brutstäbchen ausgehend zügig in das Holz hineinwachsen. Deshalb sollte man bei Bedarf mit einem Gummihammer die Brutstäbchen in die Impflöcher einschlagen.

Durchwachsphase

Die beimpften Hölzer werden im Garten feucht und schattig gelagert, wobei die Temperatur während der Anwachsphase 17-25 °C betragen sollte. Sobald das Myzel vom Reishi in das Holz eingedrungen ist (bei 20 °C nach ca. 6 Wochen) schadet Frost der Kultur in keiner Weise. Werden die beimpften Hölzer in einem Raum gelagert (Kulturanlage in der kalten Jahreszeit), muss dort eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen, um zu verhindern, dass die Hölzer austrocknen und das Myzel des Reishi abstirbt. Man kann die Austrocknung der Holzstämme auch dadurch verhindern, dass sie mit Säcken, Reisig, Laub, Plastikfolie o. ä. zugedeckt werden. Diese Abdeckung (aus Säcken, Reisig oder Laub) muss jedoch von Zeit zu Zeit leicht mit Wasser besprüht werden.

Pflege während der Durchwachsphase

Die Kunst, eine Reishi-Kultur erfolgreich durchzuführen, besteht darin, die beimpften Hölzer während der Durchwachsphase optimal zu halten. Nicht zu feucht, um die Ansiedlung von Konkurrenzpilzen zu vermeiden und nicht zu trocken, um das Wachstum des Myzels des Kulturpilzes im Holz nicht zu beeinträchtigen. Ein gutes Zeichen ist, wenn sich ein Flecken auf dem Holz um die Impfstellen herum bildet, der aus dem weißen Myzel des Reishi besteht. Nicht besorgniserregend ist, wenn stellenweise grüner Schimmel die Hölzer befällt. Schimmel auf der Oberfläche stört nicht den Reishi im Inneren des Holzes. Er zeigt jedoch an, dass die Holzoberfläche feucht ist und im Raum kaum Luftbewegung stattfindet. Lüften Sie den Raum häufiger kräftig durch und der Schimmel verschwindet oder zumindest breitet er sich nicht weiter aus. Weitere Pflegemaßnahmen sind in der Reishi-Kultur während der Durchwachsphase nicht erforderlich.

In 3-5 Monaten (je nach Temperatur und Holzart) besiedelt das Myzel des Reishi das Holz. Danach kann man theoretisch mit dem Beginn der Fruchtkörperbildung rechnen. Doch, praktischen Erfahrungen zufolge dauert es gelegentlich bis zu 15 Monaten, bis die ersten Pilze erscheinen. Die Fruchtkörperansätze sehen zunächst wie ein roter Knoten aus, der sich allmählich in Stiel und Hut differenziert. Es kann Wochen dauern, bis der Fruchtkörper seine volle Größe erreicht.

Ernte

Die Hölzer werden nach der Durchwachsphase für die Erntephase auf einem schattigen Platz mindestens ¾ ihrer Länge in die Erde eingegraben. Manche Anbauer vergraben die Hölzer vollständig in den Boden und schichten sogar einige cm Erde über sie. Das Holz kann dadurch die notwendige Feuchtigkeit aufnehmen und das Myzel des Reishi nimmt hinreichend Nährstoffe aus des Boden auf.

Fruchtkörper von Reishi treten bei Temperaturen zwischen 10 und 25 °C 2-4mal im Jahr auf. Bevorzugte Jahreszeit für die Fruchtkörperbildung von Reishi ist der Frühling und Herbst. Es wirkt sich positiv auf die Fruchtkörperbildung aus, wenn die Hölzer und die Erde um die Hölzer von Zeit zu Zeit leicht mit Wasser besprüht werden.

Mögliche Kulturfehler

Der häufigste Fehler wird dadurch gemacht, dass man für die Anlage einer Reishi-Kultur altes, vermodertes oder aus der Sicht der Art ungeeignetes Holz verwendet. Eine weitere wichtige Fehlerquelle ist die zu feuchte oder zu trockene Haltung der beimpften Hölzer während der Durchwachsphase. Entscheidend nachteilig wirkt sich für eine Kultur des Reishi aus, wenn die Rinde der Hölzer schon nach 1-2 Jahren platzt und abfällt. Solche Hölzer trocknen aus und der Pilz geht in solchen Hölzern ein.

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