gamu.de trägt das Trusted Shops Zertifikat mit Käuferschutz. Mehr...

Die Geschichte der Pilze – Teil 2

Verehrte Leser, Sie haben es im Teil 1 gelesen: So oder ähnlich hat es sich abgespielt, als unsere Vorfahren vor gut 30.000 Jahren erstmals mit Pilzen Bekanntschaft machten. Sie fielen den Menschen mit ihrer merkwürdigen Gestalt und oft prächtigen Farbe schon in grauer Urzeit auf. Doch man begegnete den Pilzen lange Zeit teils mit Misstrauen, teils mit Ehrfurcht. Man konnte sich nicht erklären, woher sie kamen und wohin sie gingen. Lange Zeit waren Pilze eben die „Männlein im Walde“, die mit ihrem dicken Leib und rundem Hut still im Walde herumstanden und dann ebenso unmerklich verschwanden, wie sie gekommen waren.

Bereits in der Blütezeit der hellenistischen und römischen Kultur wurden einige Geheimnisse der Pilze gelüftet. So zum Beispiel wissen wir aus Aufzeichnungen griechischer und römischer Schriftsteller und Naturforscher, dass Pilze seinerzeit als Speise bekannt und begehrt waren.

Shiitake Kultivierung auf KnüppelholzAber auch in Ostasien, insbesondere in China, Japan und Korea, waren Pilze bereits schon vor Jahrtausenden hoch in Kurs. Der Shiitake zum Beispiel ist in China und Japan seit gut 2.000 Jahren bekannt. Man hat den Shiitake schon vor mehr als 1.000 Jahren in Kultur genommen.

Nach dem Reishi, den man als göttliches Heilkraut beschrieb, ließ der chinesische Kaiser, Shing Huang Ti, im 3. Jahrhundert v. Chr. durch eine ganze Flotte suchen, da man vermutete, dass er auf den Inseln der östlichen Meere wächst. Wen wundert´s, hat man doch die Kunde verbreitet, dass aus dem Reishi ein Elixier der Unsterblichkeit hergestellt werden kann.

Aber zurück nach Europa. Theophrast, der griechische Philosoph und  Naturforscher (4. Jahrhundert v. Chr.) und Schüler des berühmten Philosophen Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) schrieb insgesamt 227 Studien über das damalige biologische Wissen. 60 seiner Werke befassen sich mit Pflanzen, aber sein in lateinischer Übersetzung erschienenes Hauptwerk „Historia Plantarum“ enthält auch die Beschreibung von Pilzen. Er kannte die Trüffel, den Bovist und mehrere Mistpilze. Er beobachtete die Entwicklung der Pilze und bezeichnete sie als Organismen, denen gewisse Organe wie Blätter und Früchte fehlen.

Auch sonst haben die Pilze durch ihre merkwürdigen Gestalten die Fantasie der Schriftsteller immer schon belebt. Man beschrieb sie in Gedichten, Dramen und in der Prosa seit der Zeit der klassischen griechischen und römischen Schriftsteller, über Shakespeare bis zu den Krimi- und Science-Fiction-Autoren der heutigen Zeit. In den meisten Aufzeichnungen der Antike über Pilze wird deren Wohlgeschmack besonders hervorgehoben.

Gaius Plinius SecundusDie Pharaonen des Alten Ägypten sahen in den Pilzen eine Speise für die Götter. Im Römischen Reich bekamen Soldaten Pilze als Stärkungsmittel regelmäßig zu essen. Plinius der Ältere (Gaius Plinius Secundus, 1. Jahrhundert n. Chr.) hatte in seinem Werk „Historia mundi naturalias“ ein ganzes Kapitel den Pilzen gewidmet. Er behandelte die Trüffel, den Kaiserling, den Steinpilz, bezeichnete sie als Leckerbissen und erwähnte auch ihre Zubereitung. Interessant ist, dass die römischen Patrizier diese Arbeit nicht ihren Sklaven überließen, sondern mit teurem Bernsteinbesteck und auf kostbarem Silbergeschirr selbst vornahmen. Man hat die von den Römern benutzten speziellen Silbergefäße, welche für die Zubereitung von Pilzen dienten, „boletaria“ genannt. Möglicherweise wurde die wissenschaftliche Bezeichnung einer wohlbekannten Gattung der Pilze, die der „Boletus“ (Dickröhrlinge), wozu auch der begehrte Steinpilz, gehört, davon abgeleitet.

Für die Huldigung der Speisepilze in der Antike soll schließlich ein kurzes Epigramm des römischen Dichters Marcus Valerius Martialis (1. Jahrhundert n. Chr.) stehen: „Argentum atque aurum facile est, lenamque togamque mittere; boletus mittere difficile est“. Zu Deutsch: „Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber auf Pilze zu verzichten“.

Wenn Ihnen dieser Eintrag gefallen hat, freun wir uns über eine Sternbewertung und einen Share oder Tweet:

Wertung: 4.8 von 5 Sternen

6 Bewertungen

Der Artikel hat Ihnen gefallen?
Dann abonnieren Sie den GAMU-Blog!
Damit sind Sie immer auf dem neuesten Stand.

Wenn Ihnen dieser Eintrag gefallen hat, freun wir uns über eine Sternbewertung und einen Share oder Tweet:

Kommentare